Dienstag, Oktober 20, 2020
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Jürgen Cechhttp://www.darmgesund-graz.at
Mein Name ist Dr. Jürgen Cech, seit September 2013 bin ich Facharzt im Fachärztezentrum der GKK Graz Chirurgisches Ambulatorium sowie Wahlarzt für Chirurgie und ausgebildeter Wundspezialist. Auf dieser Website informiere ich über diverse Themen aus meinem Fachbereich und biete Ihnen eine Übersicht meines Leistungsbereiches.

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Wer fürchtet sich vor dem scharfen Messer

Das Image der Chirurgie ist bei Patienten ähnlich wie jenes der Zahnheilkunde nicht gerade mit den Freuden eines Kinobesuches oder dem Aufenthalt im Lieblingsrestaurant zu vergleichen. Eigentlich ist generell jeder Arztbesuch mit negativen Emotionen verbunden. Das Beste wäre doch vom Anfang bis zum Ende ohne einen Praxisbesuch auszukommen und obendrein noch ewig mit jugendlicher Schönheit zu Leben. Da das Leben aber kein Wunschkonzert ist, tritt die Notwendigkeit einer medizinischen Behandlung schneller und öfter ein, als einem lieb ist. Wird dann doch wieder die Visite bei einem Arzt fällig, steht der Chirurg und Zahnarzt an unterster Stelle. Warum haben Patienten genau vor diesen zwei Tätigkeitsfeldern der Medizin so viel Angst? Ganz einfach, beide haben sich in den Köpfen der Bevölkerung mit Mittelalterlichen Praktiken wie schneiden, spritzen, bohren und schier unaufhörlichen Schmerzen tief verankert. Bei manchen Personen geht die Angst vor diesen Ärzten sogar soweit, dass sie jegliche Behandlung verweigern. Oft zieht dieses Verhalten schlimme Folgen nach sich, die oft auf Kosten der Gesundheit gehen. Das Tätigkeitsfeld der modernen Chirurgie ist ein äußerst junges. Nicht ohne Grund nannte Jürgen Thorwald (1915-2006 ) sein Buch „Das Jahrhundert der Chirurgen“ und schrieb über die erste erfolgreiche Ovarialoperation durch Ephraim McDowell:

Ephraim McDowell war zur Frau des Siedlers Crawford gerufen
worden, die im elften Monat schwanger zu sein schien…

…Es war eine weit fortgeschrittene zystische Geschwulst
eines Eierstocks. McDowell wusste, dass diese den Tod zur
Folge haben würde – nach einer langen, grausamen
Leidenszeit. Es sei denn, man schnitte die Geschwulst aus
dem Körper – eine Operation, die nach einhelliger Meinung
der medizinischen Fachwelt nicht zu überleben war…

… Als Jane Crawford die Klinge sah, schloß sie die Augen.
Gleich darauf begann sie mit lauter Stimme zu singen.
Sie sang einen Psalm. Sie klammerte sich in der Stunde der
Entscheidung, in derselbst ihre Härte und Entschlossenheit
wanken wollten, an ihren Glauben und ihren Gott.

Am Nachmittag dieses Tages ergriff ein Neger, dem
McDowell mehrfach geholfen hatte, die Flucht, als
er McDowell auf der Straße begegnete.

Am Nachmittag dieses Tages ergriff ein Neger, dem
McDowell mehrfach geholfen hatte, die Flucht, als
er McDowell auf der Straße begegnete.

McDowell rief ihn an und befahl ihm, stehenzubleiben.

«Weshalb läufst du vor mir davon?»

Der Schwarze zitterte. «Massa», flehte er, «man sagt, du
sein der Teufel, du zerschneidest lebende
Menschen, damit sie in die Hölle kommen…»

Man verzeihe mir die altertümlichen und fragwürdigen Bezeichnungen, aber es zeigt schon damals gab es Menschen die eine große Angst vor einem messerschwingenden Mediziner hatten. Dabei fürchten sich viele vor dem Ausgang der Operation, zum anderen aber auch vor der Narkose. Bei manchen geht diese Angst sogar so weit, dass sie Nachts nicht mehr ruhig schlafen können und Behandlungen verweigern. An dieser Stelle gibt es ein passendes Zitat von Wolfgang Tunner:

Im Erleben der Angst ist die Erwartung der Bedrohung und die Ungewißheit über Art, Ausmaß und Zeitpunkt der Gefahr kennzeichnend. 

Für viele Patienten geht der eigentlichen Operation eine Zeit der Unsicherheit voraus. Es ist das Gefühl des Ausgeliefertseins, die Sorge, wie der Körper die Belastung der Narkose übersteht, die oft bis zur Frage geht, ob man wieder aus der Narkose erwacht.

Allein der Gedanke, man geht zum Chirurgen und dieser könnte dann sofort schneiden kann zur Angst führen, eben weil Chirurgie für viele ein Geheimnis ist, ein Mysterium und man
sich dem Arzt, insbesondere dem Chirurgen ausgeliefert fühlt. „Es sagt ja keiner was passiert“, oft führen die kurzen Worte „Das kriegen wir schon hin, nur ein kleiner Schnitt und die Sache
ist erledigt“ gleich direkt zum operativen Eingriff.

Aber was ist wenn wir Chirurgie kein Mysterium mehr sein lassen, sondern der Patient den Chirurgen seines Vertrauens aufsucht. Dieser wird ihn nicht gleich aufschneiden, sondern zuerst das Gespräch suchen und sämtliche Therapiemöglichkeiten offerieren und diese auch ausreichend in der Sprache des Patienten erklären. Sie meinen das ist ein Märchen? Nein, es muss Realität werden. Die Angst zwischen Patienten und Arzt muss verschwinden. Wenn man alles ausredet, erklärt, bildlich verdeutlicht, anschaulich erklärt, kann auch das Mysterium, das Verborgene, die grosse Unbekannte verständlich werden und man ist nicht auf die Auskunft aus dem Internet angewiesen. Kein Chirurg, der jemals erfolgreich war hat sich je nur auf das Schneiden konzentriert, sondern hat sich dem Thema immer ganzheitlich gewidmet. Aber oft scheitert es an der Kommunikation, an der Darstellung der Chirurgie nach aussen. Es wird immer von Risiken des chirurgischen Eingriffes gesprochen, die zweifelsohne bestehen, aber deutlich in den Hintergrund getreten sind. Man denkt häufig Schmerzen die unweigerlich mit chirurgischen Eingriffen verbunden sind, aber dafür gibt es gut wirksame Schmerzmittel, die nach der OP ausreichend Schmerzfreiheit gewährleisten. Auch Narkosen haben Ihre vermeintliche Gefährlichkeit längst verloren und es ist längst gefährlicher sich auf der Strasse zu bewegen als in den OP-Saal. Das soll nie die nötige Ehrfurcht vor dem chirurgischen Eingriff schmälern, und schon gar nicht die ethisch-moralischen Grundsätze der Chirurgie ausser Kraft setzen.

Aber ich glaube es ist weder notwendig zu beten (es ist aber natürlich auch nicht verboten und nie verkehrt mit seinem „Glaubensidol“ Zwiesprache zu halten), noch bringen wir Chirurgen unsere Patienten in die Hölle. Vielmehr sollten Sie sich ausreichend über Therapiemöglichkeiten informieren und informieren lassen. Nutzen sie den persönlichen Kontakt zu Ihrem Chirurgen (vorerst ohne Messer) und das persönliche Gespräch mit ihm. Haben Sie keine Angst, aber betrachten sie kritisch die vorgestellten Behandlungsmethoden, entscheiden Sie nach eingehender Beratung durch den behandelnden Chirurgen und gemeinsam mit ihm welche Behandlung für Sie die Beste ist. Sollte es doch zum chirurgischen Eingriff kommen, dürfen Sie ruhig etwas nervös sein (das ist Ihr Chirurg manchmal auch ein wenig), aber es bedarf keiner schlaflosen Nächte und Angst ist wirklich nicht notwendig, denn Sie haben sich ja schließlich den Chirurgen Ihres Vertrauens ausgesucht. Sie/Er wird bestimmt auf Sie Acht geben.

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